Erklärungen 8. Januar 2007

Der Tod aller Kulturen im Weltkulturerbe


  1. Bevor das Werk einer Kultur zum Erbe erklärt werden kann – muß der Erblasser tot sein. Bevor nicht alle Kulturen der Welt tot sind, können ihre Werke nicht von einem Alleinerben zum Weltkulturerbe erklärt werden. Ohne den Tod aller Kulturen kein Weltkulturerbe.
  2. Es gibt im privaten wie im öffentlichen Bereich üble Figuren und Organisationen, die die voraussichtlichen Erbtanten betrügen, um das Erbe zu erschleichen und sogar solche, die die Erblasser ermorden, um deren Eigen an sich zu reißen. Wie um jedes andere Erbe so wird auch um des Kulturerbes willen betrogen, geraubt und gemordet.
  3. Geschichtliche Subjekte, die Werke ihrer Kultur der UNO als sogenanntes Weltkulturerbe anbieten, geben zu erkennen, daß sie auf ihre nationale Kultur zugunsten einer Weltbehörde zu verzichten bereit sind, die es dann zu ihrem eigenen Ruhme zum Weltkulturerbe ausruft. Zur Demütigung der enterbten Völker wird an den fraglichen Objekten sodann eine UNO-Aufschrift angebracht. Diese erinnern an Grabinschriften auf Friedhöfen.
  4. So wie die Erben das Erbe und dieses den Erblasser – einen Toten – voraussetzt, so ist die zum Erbe gewordene Kultur ein gestorbener Kultus und eine Gesamtheit von außer Gebrauch gesetzten Kultwerken. Denn Kultur ist jenes, das ein bestimmtes Volk zu tun pflegt auf dem Grund und Boden seiner Agrikultur, zu tun pflegt in Handlungen, Gegenständen und Werken seiner Kultur, die erst als abgestorbene zum Erbe wird. Die vorgebliche Weltkultur, in deren Erbe die verstorbene Nationalkultur eingegangen sei, soll dem entthronten Volke ein Trost sein; aber die sogenannte Weltkultur ist bloß eine globale Zivilisation. Zivilisation ist der Weltzustand nach dem Tode der Kulturen der Völker.
  5. Zivilisation ist Bürgerlichkeit, die sich in Staatsbürgerlichkeit und Gesellschaftsbürgerlichkeit unterscheidet. Letztere heißt auch Zivil- oder Bürgergesellschaft. Seitdem die Erdoberfläche unter Staaten aufgeteilt ist, kommt auf ihr jedem Menschen Staatsbürgerlichkeit zu, auch im Falle der Unterwerfung der Erde unter einen einzigen Staat, den Weltstaat. Über einige Staaten wird von anderen Staaten behauptet, daß deren Zivilgesellschaft unterentwickelt sei oder ihre Kapitalfraktion, also der Liberalismus, noch nicht ausreichend dominiere. Darin drückt sich der globalistische Wille zum Weltstaat aus, aber Gesellschaftsbürgerlichkeit ist ebenso allgemein, für jeden Einzelnen, gegeben wie die Staatsbürgerlichkeit. Diese beiden, zusammen mit einem Satz technischer Voraussetzungen und Entwicklungen, die aus dem Erbe der verstorbenen Kulturen der geschlagenen Völker stammen, bilden die heutige Zivilisation.
  6. Die globale Bürgergesellschaft, beglückt mit dem „Weltkulturerbe der Weltgemeinschaft“, ist der heute weltweit zu beobachtende paradoxe Zustand einer Allgemeinheit der Absonderlichkeit, der dem Totalitarismus des Besonderen Standes entspringt, welcher mit einem jedweden System der parlamentarischen Regierungsbildung sich unvermeidlich einstellt. In dieser totalitären Absonderlichkeit greift um sich nicht so sehr das häufig zitierte „induzierte Irresein“, sondern eine hirnorganische Erkrankung des kulturellen Gedächtnisses der in der Absonderlichkeit des Parlamentarismus befangenen Völker. Eine geistige Erkrankung zu attestieren wäre zu geistreich; es handelt sich um kollektives Alzheimer.
  7. Die Völker sind also nicht verrückt geworden, sondern hirnorganisch erkrankt. Die „Barbarei der Reflexion“ in Vicos Sinne, die Vernichtung der eigenen Kultur durch den Verlust der Gemeinschaftsfähigkeit, der sich in dem Atomismus der Individuen zeigt, das war gestern. Heute herrscht der organisch erzwungene Schwachsinn, der völlige Gedächtnisverlust, der sich „Erinnerungskultur“ nennt, also die ruhige Spätphase der Alzheimerschen Krankheit. Den Leuten wird mittlerweile alles gleichgültig, auch die UN-Kultur der UNO. Wie zur Illustration dieses Sachverhalts hat heuer bei den Bayreuther Festspielen eine Ur-Enkelin Richard Wagners zur Rechtfertigung ihrer systemkonform-debilen Inszenierung der „Meistersinger“ erklärt: „Es gibt keine deutsche Kultur mehr!“ Für eine Regisseurin, die ja weder dichten noch komponieren, weder schauspielern noch musizieren noch singen können muß und folglich keine Künstlerin und keine Kunstdarstellerin, sondern lediglich eine Kunstsekundärdarstellerin zu sein hat, ist das fast schon ein Geistesblitz!
  8. Relativismus allenthalben, der deutsche Papst hatte es schon früh beklagt. Der Relativismus der Kulturen kündigte sich an, als die Linkischen – die reaktionär gewordene und in den Antigermanismus abgeglittene ehemalige Linke – von der multikulturellen Gesellschaft zu faseln begann. Als dann sich selbst so verstehende Konservative dem eine deutsche Leitkultur entgegensetzten, war jeder Rest von Begriffsklarheit beseitigt, denn die Einführung einer Leitkultur ist ja nur die Weiterentwicklung des Multikulturalismus, hat sie doch viele geleitete Kulturen zur Bedingung! (Das ist nichts anderes als das Verhältnis von Leitwährung und Folgewährungen im Devisenhandel.) Die Anerkennung einer Kultur als Leitkultur würde ihren Sieg in einem Kampf der Kulturen voraussetzen. Aber im Spätkapitalismus gibt es keine Kulturen mehr, die in ihrer Rasse und in ihrer Nation immer die einzige sind, sondern nur noch die globale Zivilisation. Überwunden werden kann diese nicht unmittelbar von der alten Kultur, sondern nur von den beiden Hauptausbeutungsobjekten des Kapitals: der Natur der Erde und der Arbeitskraft der Völker.
  9. Daß die UNO diese Tendenz zum Kulturen-Mord und damit zum Völker-Mord hat, ist nur zu verstehen, wenn man sich aus der Erinnerung hervorruft, daß die UNO nach dem zweiten Weltkrieg aus dem völkerrechtlichen Mord am Deutschen Reich entstanden war. Denn das Deutsche Reich als Weltgestaltungsmacht war in der Lage gewesen, die Fortexistenz der überwiegenden Mehrheit der Staaten in Frage zu stellen. Das Deutsche Reich hätte als völkische Macht die Welt nach dem Prinzip Ein-Volk-ein-Staat umgestalten können, zumindest seine Propaganda lief in diese Richtung. Die Mehrheit der bestehenden Staaten hätte sich Sezessions- und Auflösungsforderungen und dem Verlangen der Völker, ethnisch exklusive Staaten, also reelle Nationen oder Nationalstaaten anstelle formeller Nationen oder Staatsnationen zu bilden, ausgesetzt gesehen. Die Mehrheit der bestehenden Staaten trat der UNO freiwillig bei, gleichsam als einer Versicherungsgesellschaft gegen die Forderungen der von ihnen vereinnahmten Völker.
  10. Völker sind wie Jesus: sie können wiederauferstehen. Zuvor werden sie untergehen, aussterben, gekreuzigt werden, vergreisen – und doch sich in Volksaufständen, nationalen Befreiungskriegen und sozialen Revolutionen wieder aufraffen, sich verjüngen und kulturell und politisch wiederaufsteigen. Im Zeichen des Kreuzes werden die Völker siegen – oder in den Klauen des Mammons zur Hölle fahren.
Deutsches Kolleg
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